Die Simulation von Si(Aln,Si4-n)-Nachbarschaftswahrscheinlichkeiten in Alkalifeldspäten unter Berücksichtigung der Löwensteinregel

In der Einführung wurde für die allgemeinen Alkalifeldspäte die Möglichkeit unterschiedlicher AI-Si-Verteilungen im Strukturgerüst genannt und deren Beschreibung durch die Verteilungsparameter t1o, t1m, t2o und t2m vorgestellt. An dieser Stelle wird nun die Frage erörtert, ob und wie man aus diesen Verteilungsparametern die Wahrscheinlichkeiten berechnen kann, auf einem Platz T1o, T1m, T2o und T2m ein Si-Atom mit n (n ∈ [|1, ... ,4|]) Al-Nachbarn und entsprechend 4-n Si-Nachbarn anzutreffen. Die Motivation zu diesen Überlegungen war der Wunsch, mit Hilfe von 29Si-MAS-NMR-Messungen die lokalen Al-Si-Anordnungen im Strukturgerüst des Feldspates besser verstehen zu können.

In den Arbeiten von Phillips et al. [31] sowie denen von Yang et al. [50] sind die grundlegenden Informationen zur Auswertung von Festköper-MAS-NMR an Feldspäten wiedergegeben.

Danach ist die chemische Verschiebung für jedes Si-Atom von der unmittelbaren Umgebung abhängig. Hochgeordnete Feldspäte (t1o=1) verursachen lediglich drei scharfe NMR-Peaks. Bei einsetzender Unordnung spalten sich diese in mehrere Peaks (bis zu 10) auf, deren Lagen von dem Platztyp T1 oder T2, bei Mikroklinen T1o, T1m, T2o und T2m, und von der Zahl n der Al-Nachbarn abhängig sind. Die jeweiligen Peakintegrale sind proportional zu den zuzuordnenden Si[Aln,Si4-n]-Besetzungen. Zwischen der Al-Si-Verteilung in der 2. Nachbarschaft und der Peakbreite besteht offenbar auch ein Zusammenhang.

Das erste in diesem Abschnitt betrachtete AI-Si-Verteilungsmodell, das Zufallsmodell, enthält nur die Annahme, de Al- und Si-Atome zufällig und unabhängig voneinander in der Struktur verteilt sind.

Nach diesem Modell sind in hoch ungeordneten Feldspäten häufige AI-0-AI-Nachbarschaften zu erwarten. Dem widersprechen aber die Arbeiten von Dollase [15], Foreman et al. [17], Löwenstein [26] bis hin zu den neueren Arbeiten von Tossel [45], nach denen die Gerüstsilikate allgemein eine starke Abneigung gegen Al-O-Al-Bindungen zeigen. Das vollständige Verbot von A]-O-AI-Nachbarschaften für die Gerüstsilikate wurde von Löwenstein postuliert und nach ihm, zumindest im deutschsprachigen Raum, Löwensteinregel (LSR) genannt. Das Al-Si-Verteilungsmodell wird daher um die Annahme der Gültigkeit LSR erweitert.

Die Aufgabe bestand darin, einen Algorithmus zu formulieren und in ein Programm zu implementieren, das die theoretische Berechnung der Al-Si-Verteilung für das genannte Modell gestattet. Anschließend sollten die theoretischen Ergebnisse mit experimentellen Daten verglichen werden.

Der Ansatz

Strukturelle Isomorphien

Kristallstruktur des Feldspates und detailierte Ausschnitte der Problembereiche.

Abb. 1: Ein Ausschnitt der Al-Si-Gerüststruktur der Feldspäte (die Sauerstoffatome in den Verbindungen fehlen wegen der besseren Übersicht). Aus den Strukturen sind zwei Teilbereiche besonders markiert. Diese sind weiter unten noch einmal herausgezeichnet und auf einen Graphen abgebildet.

Die Si-Atome im Feldspat sind anhand des Platztypes T1o, T1m, T2o und T2m, und anhand der Anzahl der Al-Nachbarn unterscheidbar. Das ergibt zunächst 64 verschiedene, im folgenden noch detailiert zu benennende Kombinationen, von denen momentan bis zu 20 in den 29Si-MAS-NMR-Messungen unterscheidbar sind. Die Berechnungen sind mit einem erheblichen Rechen-, Formulier- und Programmieraufwand verbunden. Um diesen zu reduzieren, wurde eine lokale Umgebungsisomorphie des Feldspates ausgenutzt.

Zu dieser lokalen Umgebung eines Platzes gehören die vier ersten Nachbarn und zwei der zehn zweiten Nachbarn. Die zwei 2. Nachbarn sind dadurch eindeutig bestimmt, daß sie jeweils zu zwei 1. Nachbarn gleichzeitig 1. Nachbarn sind. Dieses Arrangement von sechs Plätzen um ein Zentralatom (vergl. Abb. 1) herum ist der Umgebungsausschnitt, mit Hilfe dessen im folgenden die Verteilungen berechnet werden. Er ist mit dem Umgebungsgraphen in Abb. 1 (Mitte/unten) dargestellt.

Anhand von zwei Umgebungsausschnitten aus der Feldspatstruktur sind in Abb. 1 deren bijektive Abbildungen auf den gleichen Umgebungsgraphen skizziert. Bei dieser Abbildung bleiben die Werte der für alle Platzpaare (Ak, Al) zu formulierenden Booleschen Aussage "Die Plätze Ak und Al sind Nachbarn" invariant. Der Umgebungsgraph hat die Ebenensymmetrie m, somit ist diese Abbildung zweideutig. Durch die Funktion ' wird die Abbildung eindeutig:

  i=1 → i'=2 j=o → j'=m  
  i=2 → i'=1 j=m → j'=0 Gl. (1)

Diese wird gleichzeitig auf alle Platzbezeichnungen des Strukturausschnittes1 angewandt:

  Symmetrieabbildung in der Umgebung der 1. Nachbarn. (zu Gl. 1)

Diese Überlegungen führen zu der ersten Vereinfachung. Existiert nämlich eine Funktion f(n, t1o, t1m, t2o, t2m), die zu einem Platz vom Typ T1o die Wahrscheinlichkeit ermittelt, daß dieser n-Al-Nachbarn hat, so gibt die Funktion f(n, tim, t1o, t2m, t2o) die gleiche Wahrscheinlichkeit für den Platz T1m an. Die Funktion für den T2o-Platz lautet dann f(n, t2o, t2m, t1o, t1m) und die für den T2m-Platz f(n, t2m, t2o, t1m, t1o). Die Berechnung wird daher nur auf den Strukturausschnitt2 in Abb. 2 beschränkt.

Die Umgebungsstruktur der T-1o-Umgebung wird dargestellt.

Abb. 2: Die lokale T1o Umgebung

In dieser Darstellung sind die Nachbarn mit römischen Ziffern für den folgenden Algorithmus numeriert. Des weiteren sind dort drei Segmente mit 1o, 1m und 2o markiert, auf die im Text Bezug genommen wird.

Die verwandte Nomenklatur

Der Graph in Abb. 2 wird in drei überlappende Segmente aufgeteilt (gestrichelte Linien). Die Wahrscheinlichkeiten für die unterschiedlichen Al-Si-Verteilungen auf diesen Segmenten werden getrennt berechnet und mit w(...)a bezeichnet. Die Klammern enthalten entsprechend dem Segment eine 2*2- oder eine 2*1-Matrix mit den Werten Al, Si oder X, wobei X für Al oder Si steht. "a" gibt den Typ des unteren rechten Elementes dieser Matrix an und kann die Werte 2o, 1o und 1m annehmen. Eine 2*2-Matrix mit dem Index a=2o beschreibt die Wahrscheinlichkeit für die konkrete AI-Si-Besetzung des in Abb. 2 dargestellten mit 2o markierten Segmentes. Das 1m-Segment ist eine senkrechte Hantel, die transponiert (w(...)aT) dargestellt wird.

Die Wahrscheinlichkeiten für ein Si-Atom auf Platztyp b=(1o, 1m, 2o, 2m) und einer konkreten Al-Nachbarschaft b bezogen auf die Zahl der Plätze wird mit sb,c bezeichnet. Die Beschreibung der Anordnung c kann aus vier Elementen des Typs (AI, Si, X) oder einer natürlichen Zahl n 0≤n≤4 bestehen. Die ersten Nachbarn eines Zentralatoms sind in Abb. 2 mit römischen Ziffern numeriert und entsprechend dieser Numerierung wird die Besetzung der Plätze in c eingetragen. Falls c eine natürliche Zahl n ist, bedeutet dies, daß alle Wahrscheinlichkeiten mit n Al-Nachbarn zusammengefaßt werden. Also ist beispielsweise für n=1:

  S1o,1 = S1o,Al,Si,Si,Si + S1o,Si,Al,Si,Si + S1o,Si,Si,Al,Si + S1o,Si,Si,Si,Al (Gl. 2)

Der Simulationsalgorithmus

Zunächst werden die Wahrscheinlichkeiten für die w()-Matrizen bestimmt. Aus diesen werden sukzessive s1o,... und schließlich die s1o,n berechnet. Die Berechnung der w()-Matrizen selbst zerfällt in zwei Basisalgorithmen, einen für das 1m-Segment (die Hantel) und einen für die 2o- und 1o-Segmente (die Ringe).

Wahrscheinlichkeiten für die Hantel

Für die in Abb. 2 dargestellte senkrechte T1o-T1m-Hantel gibt es prinzipiell 4 Besetzungsmöglichkeiten (Si,Si)T, (Al,Si)T, (Si,Al)T und (Al,Al)T. Aufgrund der LSR folgt unmittelbar w(Al,Al)T=0 und so bleibt:

  w(Si,Si)T1m + w(Al,Si)T1m + w(Si,Al)T1m = 1 (Gl. 3)

Weiterhin gilt aufgrund der Definition der tij:

  w(Al,Si)T1m = t1o
w(Si,Al)T1m = t1m
(Gl. 4)

Daraus folgt aber unmittelbar:

  w(Si,Si)T1m = 1 - w(Al,Si)T1m - w(Si,Al)T1m = 1 - t1o - t1m (Gl. 5)

Wahrscheinlichkeiten für den 2o-Ring

Ein Ring kann unter Beachtung der LSR nach sieben verschiedenen Möglichkeiten mit Al-Si-Atomen besetzt werden: einmal volständig mit Si besetzt, viermal mit jeweils nur einem Al besetzt und zweimal diagonal mit Al besetzt.

Die Wahrscheinlichkeit, mit der diese sieben Subtypen auftreten, kann man nur numerisch berechnen. Grundlage dazu ist das folgende Gedankenmodell, nach dem die Ringe eines Typs voneinander vollständig isoliert vorliegen. Sie sind "leer" und werden zuerst mit allen verfügbaren Al-Atomen besetzt und nach der Verteilung aller Al-Atome mit Si-Atomen aufgefüllt. Die Art und Weise, wie die Al-Atome konkret verteilt werden, wird wie folgt ausgelost.

Auf einem Tisch liegen N (≈1023) leere 2o-Ringe und dazu befinden sich in einer Schüssel N Al-Atome, die je nach Vorgabe der tij mit T1o, bis T1m beschriftet sind. Aus der Schüssel wird ein Al-Atom gezogen, das z.B. mit T1o-markiert ist. Ein solches Al-Atom kann in einen leeren Ring oder in einen bereits mit einem T1m-Al-Atom besetzten eingebaut werden. Der Ring, in den das Atom eingesetzt wird, wird aus diesen ausgelost. Das heißt, daß im ersten Fall ein Ring entsteht, der nur noch ein T1m-Al-Atom aufnehmen kann und im zweiten Fall ein diagonal besetzter Ring.

Dieser Versuch wird nun kontinuierlich durchgeführt. Für das Intervall 0≤x≤1 werden in jedem dx aus der Schüssel t1odx, t1mdx, t2odx und t2mdx Al-Atome der betreffenden Sorte gezogen und verteilt. Während der numerischen Berechnungen werden nur die Anzahlen von fünf partiell gefüllten Ringen berücksichtigt, das sind Ra, R1m, R1o, R2m und R2o. Dabei kann Ra alle Al-Atomtypen aufnehmen und Rij nur den Typ ij. Die Ringtypen treten mit den Wahrscheinlichkeiten ra, r1o, ... , r2m auf.

Die ausgelosten T1o-Al-Atome werden mit dem Anteil ra/(ra+r1o) auf Ra-Ringe und mit r1o/(ra+r1o) auf R1o-Ringe verteilt. Die so angefüllten Ra-Ringe werden zu R1m-Ringen und die vorherigen R1o-Ringe zu vollbesetzten Ringen. Damit ergibt sich insgesamt folgendes Differentialgleichungssystem (DGL), das mit den Startwerten r1o(0) = r1m(0) = r2o(0) = r2m(0) = 0 und ra(0) = 1 im Intervall O ≤ x ≤ 1 gelöst werden muß:

  Gleichung 6 (Gl. 6)
  Gleichung 7 (Gl. 7)
  Gleichung 8 (Gl. 8)
  Gleichung 9 (Gl. 9)
  Gleichung 10 (Gl. 10)

Dann folgt unmittelbar:

  Gleichung 11 (Gl. 11)

Die diagonal besetzten Ringe erhält man aus Gleichungen der Form:

  Gleichung 12 (Gl. 12)

Dann folgt:

  Gleichung 13 (Gl. 13)
  Gleichung 14 (Gl. 14)

Die hier vorgestellte Methode wird nur im allgemeinen Fall angewandt. Gilt z.B. t1o=t1m und t2o=t1m, so reduziert sich der Aufwand auf die Lösung eines DGL-Systems mit drei Parametern ra, r1:=r1o+r1m und r2:=r2o+r2m

Ebenso vereinfacht sich die Berechnung, wenn die Summe der Besetzungswahrscheinlichkeiten auf einer Diagonalen des Ringes Null wird. In diesem Fall ist die Lösung durch eine einfache Formel anzugeben. So ergibt sich z.B. bei t2o=t1m=0 eine statistische Unabhängigkeit der beiden Ereignisse "T1o ist mit Al besetzt" und "T1m ist mit Al besetzt" und damit:

  ra(1) = (1 - t1o) (1 - t1m) (Gl. 15)
  r1o(1) = t1o (1 - t1m) (Gl. 16)
  r1m(1) = (1 - t1o) t1m (Gl. 17)
  r2o(1) = r2m(1) = 0 (Gl. 18)

Wahrscheinlichkeiten für den 1o-Ring

Mit den Gl. (6-18) werden die zunächst die Wahrscheinlichkeiten des 2o-Ringes berechnet. Mit dem gleichen Algorithmus ist man nun in der Lage, auch die Wahrscheinlichkeiten des lo-Ringes zu ermitteln. Dazu müssen in allen Gleichungen von (6-18) alle t1o und t1m durch t2m und alle t2o und t2m durch t1o ersetzt werden. Das gilt z.B. auch für die Ringbezeichnungen. Aus den Ringen R1o und R1m werden dann R2m-Ringe. Das Differentialgleichungssystem wird dann automatisch eines mit drei Parametern ra, r2 und r1.

Diese Substitution macht ein weiteres Vereinfachen der Gl. (6-18) unmöglich. So gilt z.B. in Gl. (15) wegen der Voraussetzung t2o=t2m=0 eigentlich t1o+t1m=1. Wird dies berücksichtigt, dann gilt ra(1)=(1-t1o)t1o oder auch ra(1)=t1ot1m. Dann aber ergäben sich nach der Substitution für ra die drei Möglichkeiten; (1-t2m)2; (1-t2m)t2m und t2m2. Von diesen ist nur die erste korrekt.

Aufgrund dieser Substitution kann ein umfangreicher Programmteil für beide Ringtypen verwendet werden. Das Programm wird dadurch lesbarer und klarer.

Das gesamte Verfahren

Das gesamte numerische Verfahren, das bei Vorgabe eines beliebigen Parametersatzes 0 ≤ t1o, t1m, t2o, t2m ≤ 1 diese Ringverteilungen berechnet, benutzt für die Berechnungen der rij(1)-Werte die Module ODEINT.FOR, RKQC.FOR und RK4.FOR aus den Numerical Recipes [32]. In diesen Modulen ist ein schrittweitengesteuertes Runge-Kutta-Verfahren 4. Ordnung implementiert. Es arbeitet in weiten Bereichen stabil. Lediglich für 0,9 < t1o und 0 < t2o, t2m treten numerische Probleme auf, so daß in diesem Wertebereich die Lösung des implementierten Algorithmus nicht zuverlässig ist. Für t2o=t2m=0 arbeitet das Verfahren (nach den Gln. 15-18) einwandfrei.

Mit den erläuterten Berechnungen für die Hantel und die beiden Ringe 2o und 1o nach Abb. 2 erhält man die w(...)1mT, die (ra(1)2o, r1m(1)2o, r1m(1)2o, r2o(1)2o, r2m(1)2o und die ra(1)1o, r1(1)1o, r2(1)1o. Damit können sukzessive alle Wahrscheinlichkeiten s1o, ... berechnet werden z.B.:

  Gleichung 19 (Gl. 19)

Simulationsrechnungen

Mit dem oben beschriebenen Ansatz werden verschiedene Berechnungen zu den Si[Aln,Si4-n)-Wahrscheinlichkeiten der Feldspäte durchgeführt. Sie erfolgten mit einem Fortran 77 Programm. Im ersten Teil werden Details des Programms beschrieben, die einen später möglicherweise gewünschten Einbau in eine Auswerteroutine für 29Si-MAS-NMR-Messungen erleichtern sollen. Es folgt eine Berechnung zur Überprüfung des Ansatzes. Im dritten Teil werden für konkrete tij-Parametersätze die Nachbarschaften berechnet und angegeben.

Details zum Programm

Es wurde die Library NACHBARN.FTN mit den externen Routinen alkaliFs(iPlatz, tlo, Um, t2o), xAlProPlatz(n) und xNb(iph, iprb, iprh, ipri) geschrieben.

Die Subroutine alkaliFs(...) wird mit vier Parametern aufgerufen. Mit dem Parameter iPlatz wird angegeben, für welchen Platztyp die Nachbarschaften berechnet werden sollen. Dabei muß eine 1 stellvertretend für einen T1o-Platz, eine 2 für einen T1m, eine 3 für T2o und eine 4 schließlich für T2m, angegeben werden. Mit den Parametern tlo, tlm und t2o werden dem Programm die ersten drei Besetzungswahrscheinlichkeiten übergeben (0 ≤ t1o, t1m, t2o ≤ 1). Der Wert von t2m wird aus der Normierung Etij=1 ermittelt.

Je nach Wert von iPlatz werden die tij vertauscht, die 16 Wahrscheinlichkeiten nach den Gln. (6-18) berechnet und in einem internen Commonblock gespeichert. Die Wahrscheinlichkeiten nach Gl. (19) können dann mit der Funktion xNb(...), die Wahrscheinlichkeiten nach Gl. (2) mit der Funktion xA]ProPlatz(...) abgefragt werden.

Die Wahrscheinlichkeiteni nach Gl. (19) sind eine Funktion der AI-Si-Besetzung der vier Nachbarn. Die Reihenfolge der Nachbarn in diesem Symbol ist entsprechend Abb. 2 festgelegt und wird in gleicher Weise bei der Parameterübergabe der Funktion xNb(...) berücksichtigt. Dabei muß für die Si-Atome eine 1, für die Al-Atome eine 2 eingetragen werden.

Die Funktion xAIProPlatz(...) ruft entsprechend Gl. (2) die Funktion xNb(...) mehrfach auf. Das einzige Argument ist die Zahl der Al-Nachbarn. Die konkrete Berechnung der Verteilung wird nur beim Aufruf von alkaliFs(...) durchgeführt. Die beiden Funktionen xAlProPlatz(...) und xNb(...) lesen nur Daten aus einem COMMON-Block.

Vergleich mit einem alternativen Algorithmus

Eine einfachere Herangehensweise im Vergleich zum bisher erläuterten Algorithmus wäre es, die Nachbarschaftswahrscheinlichkeiten durch Einteilung in vier Hantelsegmente zu berechnen. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse beider Algorithmen soll nun auf dem 2o-Ring durchgeführt werden, auf dem Nachbarschaftswahrscheinlichkeiten für das T1o-Si-Atom mit 0, 1 und 2 Al-Nachbarn definiert sind.

Mit der Einschränkung t1:=t1o=t1m und t2:=t1o=t2m werden die Wahrscheinlichkeiten der w()-Matrizen für 0,25 ≤ t1 ≤ 0,5 nach den Gln. (6-14) berechnet und die Ergebnisse durch (1-t1) dividiert. Die Summe aller w()-Matrixwahrscheinlichkeiten mit einem Si-Atom auf T1o ist dann eins.

Daraus ergeben sich die in der Abb. 3 mit dem Begriff "Ringformel" bezeichneten Kurven.

Alternativ können diese Nachbarschaften auch aus den Hantelgleichungen (nach Gl. 3-5) für die waagerechte (T1o,T2o)-Hantel und die senkrechte (T1o,T2m)-Hantel ermittelt werden. Dann gilt für die (T1,T2)-Hanteln:

  Gleichung 20 (Gl. 20)

Wird die Summe aller Hanteln mit einem Si-Atom auf einem T1-Platz auf eins normiert (-<w()) so folgt:

  Gleichung 21 (Gl. 21)

Damit ergeben sich die in Abb. 3 mit "Hantelformel" bezeichneten Werte

  Gleichung 22 (Gl. 22)
  Gleichung 23 (Gl. 23)
  Gleichung 24 (Gl. 24)

In diesem kürzeren Ansatz wird aber der Einfluß des zum T1o-Platz diagonal liegenden T1m-Platzes nicht berücksichtigt, was dazu führt, daß die Ergebnisse beider Berechnungsansätze leicht voneinander abweichen (Abb. 3).

Vergleich der Ergebnisse der einfachen Ring- und Hantelformeln mit dem hier vorgestellten Verfahren.

Abb. 3: Wahrscheinlichkeiten für die Si-Atome auf T1o null, einen oder zwei Al-Nachbarn im isolierten inhomogenen Ring zu besitzen. Nebenbedingung: t1o=t1m und t2o=t2m. Vergleich von Ring- und Hantelformel.

Konkrete Berechnungen

Für den Fall des idealen Mikroklinüberganges liegen die in Abb. 4 gezeigten Nachbarschaftsverteilungen vor. Hierbei gibt es wegen der Bedingungen t2o=t2m=0 keine Si-Atome mit vier Al-Nachbarn. Zwischen den lokalen Umgebungen der T1j-Plätzen bestehen Symmetrien, die dazu führen, daß z.B. die Zahl der Si mit einem Al-Nachbarn auf T2o gleich der Zahl der Si auf T2m mit zwei Al-Nachbarn ist. Von den acht verschiedenen Nachbarschaften der T2j-Plätze sind auf diese Art je zwei paarweise Wertegleich. Jedes Si-Atom auf T1j hat genau einen Al-Nachbarn. Die Funktionen s1o,1=t1m und s1m,1=t1o wurden nicht dargestellt.

Ergebnisse beim idealen Mikrolin.

Die Abb. 4 zeigt die Nachbarschaftswahrscheinlichkeiten für den Sanidinübergang (t1o=t1m und t2o=t2m).

Abb. 4: Verteilung der Nachbarschaften im Feldspat beim idealen Mikroklinübergang. (t2o = t2m = 0)

 

Ergebnisse beim Sanidin.

Abb. 5: Die Wahrscheinlichkeiten der Nachbarschaften beim Sanidinübergang.

Vergleich der Modellrechnungen mit experimentellen Daten

Die zu einer Überprüfung des Modells nötigen NMR-Messungen waren im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Um einen Vergleich durchführen zu können, mußte auf Literaturdaten zurückgegriffen werden. Die einzige bekannte Veröffentlichung experimenteller Daten, die alle dazu notwendigen Informationen enthält, stammt von (Yang et al. [50]).

Die Autoren gaben einen vollständigen Satz von 29Si-MAS-NMR-Daten für einen 100 Tage bei 1073 °C getemperten Albit an, siehe Tab. 3. Aus der Fig. 1 der Arbeit konnte ein t1o=0,27 abgeschätzt werden.

Auflistung der normierten Peakintegrale.

Tab.: 3: Die normierten Peakintegrale einer 29Si-MAS-NMR-Messung für einen Albit [50] (Angaben in %).

Die Summe (E) in der Spalte TX und TY repräsentieren die Warscheinlichkeiten, auf den den TX und TY-Werten zugeordneten Plätzen Si-Atome anzutreffen.

Mit den Überlegungen zur Abb. #Ref# (Seite 6) kann man mit guter Genauigkeit t1m=t2o=t2m ansetzen und damit gilt t1m=0,24. Dann befinden sich auf den T1-Plätzen ca. 51%- und auf den T2-Plätzen ca. 49% der Al-Atome, bzw. es befinden sich etwa 49% der Si-Atome auf T1 und 51% der Si-Atome auf T2.

Yang et al. [50] ordneten den Werten der Tab. 3 für Tx die T1o- und die T1m-, für Ty- die T2o- und T2m-Plätze zu. Dann aber befänden sich ca. 29% der Si-Atome auf T1 und 71% der Si-Atome auf T2.

Die Widersprüche in beiden Ergebnissen legen eine alternative Zuordnung nahe, nach der den TX-Werten nur die T1o-Plätze, den TY-Werten die T1m-, T2o- und T2m-Plätze zugeordnet werden. Auf T1o-Plätzen befinden sich danach ca. 24% der Si-Atome auf den anderen Platztypen die restlichen 76%.

Ein weiteres Argument für die Zuordnung (Tx|T1o) und (Ty|T1m;T2o;T2m) ist der Vergleich der numerisch aus dem oben beschriebenen Ansatz ermittelten Si[AlnSi4-n]-Werte mit denen aus der Messung. Dazu wurden für t1o=0,27 und t1m=t2o=t2m die Si[AlnSi4-n]-Nachbarschaftswahrscheinlichkeiten sowohl für die statistische, also auch für die ISR-eingeschränkte Verteilung der Al- und Si-Atome berechnet. Mit diesen Verteilungen wurden die Sollwerte der NMR-Peakintegrale ausgerechnet (Siehe Abb. 6 und 7). In dieser Darstellung wurden in Abzissenrichtung die 29Si-MAS-NMR-Meßwerte und in Ordinatenrichtung die Simulationswerte gegenübergestellt.

Auflistung der normierten Peakintegrale.

Abb. 6: Vergleich der simulierten Wahrscheinlichkeiten von Si[Aln,Si4-n]-Nachbarschaften aus dem statistischen Kreis mit weißer Fläche und aus dem LSR-Modell Kreis mit schwarzer Fläche mit den Ergebnissen der 29Si-MAS-NMR für die Zuordnung von Yang [50] (tx:=t1o+t1m; ty:=t2o+t2m). Die Beschriftung der übereinander liegender Punkte ist identisch.

 

Auflistung der normierten Peakintegrale.

Abb. 7: Der entsprechende Vergleich für die eigene Zuordnung (tx:=t1o; ty:=t1m+t2o+t2m).

Für ein Modell, daß die Realität präzise beschreibt, müßten alle Punkte auf der in den Abb. 6 und 7 eingetragenen Geraden liegen.

Zu jedem der vier gerechneten Modelle gibt es zehn Peakintegralvorhersagewerte und damit zehn Differenzen zu den zehn gemessenen Peakintegralen. Die Quadratsumme dieser Differenzen ist ein Maß für die Güte der Übereinstimmung. Für die Zuordnung von Yang [50] ergeben sich Werte von 0,046 für das LSR-Modell und 0,068 für das Zufallsmodell. Unter Berücksichtigung des eigenen Zuordnungsvorschlages betragen die Werte 0,009 und 0,052. Drei von diesen Modellrechnungen zeigen Abweichungen in etwa gleicher Größe, das LSR-Modell verbunden mit dem eigenen Zuordnungsvorschlag ist um den Faktor 5 besser.

Zusammenfassung

Es wurde ein Algorithmus zur Berechnung der Si[AlnSi4-n]-Nachbarschaften im Feldspat bei zufälliger Verteilung der Al-Si-Atome sowie bei vollständiger Einhaltung der Löwensteinregel hergeleitet und in ein Fortran-77-Programm implementiert.

Der Vergleich von simulierten Verteilungen mit der gemessenen Verteilung von Yang et al. [50] wies auf eine möglicherweise fehlerhafte Zuordnung der 29Si-MAS-NMR-Banden zu den T1o, T1m, T2o- sowie den T2m-Si-Atomen mit n Al-Nachbarn hin. Der alternative Vorschlag, die T1o-Plätze den T1m-, den T2o- und den T2m-Plätzen gegenüberzustellen, zeigt eine bessere Übereinstimmung zwischen experimentellen und theoretischen Daten.

Zwar stimmt das eigene LSR-eingeschränkte Modell besser mit den exp. Daten überein, doch ist eine abschließende Beurteilung dieses Modells nicht möglich. Man muß weitere Experimente und deren Auswertungen zur Klärung dieser Frage abwarten.


Hinweise

  1. Diese Umgebungisomorphie ist bis zu allen 2. Nachbarn gültig. Für weiter entfernte Nachbarn gilt sie nicht mehr, da die T1- und T2-Plätze eine unterschiedliche Zahl 3. Nachbarn haben (Brunner/Laves [12]).
  2. Die Tatsache, daß diese Isomorphie ausgenutzt wird, stellt aber auch an den Algorithmus weitergehende Forderungen. Die Gültigkeit der Gl. 2 (Seite 5) ist darin nicht mehr gegeben.

Copyright: Dr. Wolfgang Uhr - Dieses Dokument wurde zuletzt geändert am Donnerstag, 12. Oktober 2006